Nackte Zahlen und nackte Körper – Pornographie in Zeiten des Internets

Zweiteilige Sendung zu kritischen Perspektiven auf Mainstream Pornographie

2. Teil 27. Oktober 2015

1. Teil 29. September 2015

Jeder tut es, aber kaum jemand redet darüber: Pornos schauen. Pornographie gab es zwar schon immer, doch mit der Verbreitung des Internets hat sich auch die Pornographie gewandelt. Aus den Pornomagazinen und Rotlichtbezirken ist eine Multimilliardendollar-Industrie entstanden. Pornos sind heute für jeden sofort verfügbar, kostenlos, schnell und unkompliziert – und der Pornokonsum fängt immer früher an – das durchschnittliche Einstiegsalter für Jungen liegt derzeit bei 11 ½ Jahren.

Dazu werden die Darstellungen immer brutaler. Pornographische Bilder begegnen uns heute ständig im Alltag. Halbnackte Frauen bewerben alles von Autos über Parfum bis hin zu Lebensmitteln. Die Internet-Pornographie muss sich von diesen „harmlosen“ Darstellungen abheben und die Produzenten greifen zu immer gewalttätigeren, drastischeren Bildern.

Die Pornoperspektive ist dabei fast durchweg eine männliche – Frauen werden darin zu Objekten der männlichen Befriedigung degradiert.

Doch was macht das mit unserer Gesellschaft, wenn junge Männer zu gewaltverherrlichenden, herabwürdigenden Darstellungen von Frauen masturbieren? Macht es überhaupt etwas mit ihnen, oder ist das alles nur Fiktion?

 

Interviewpartnerinnen und -partner

Gail Dines
Gail Dines ist Professorin für Soziologie und Frauenforschung am Wheelock Collage in Boston, wo sie die Abteilung American Studies leitet. Zahlreiche ihrer Artikel über Pornographie, Medien und Gewalt erschienen in akademischen Journalen und Büchern, in Zeitungen und Zeitschriften wie Newsweek, Time, Working Woman oder der New York Times.

Sie ist Gründungsmitglied von Stop Porn Culture, einer internationalen Bewegung gegen Pornographie.

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Website von Gail Dines (in Englisch)

 

Robert Jensen

Robert Jensen ist Professor an der School of Journalism an der University of Texas, Austin. Er hat lange als Journalist gearbeitet, bevor er seine akademische Laufbahn antrat und sich vor allem mit dem Verhältnis von Medien und Macht beschäftigte. Er untersucht Pornographie und vor allem die Auswirkungen auf männliche, heterosexuelle Konsumenten aus einer radikal feministischen Perspektive. Sein christlicher Hintergrund spielt in seiner wissenschaftlichen Arbeit immer wieder eine Rolle.

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Website von Robert Jensen (in Englisch)

 

Patrick Kollöffel

Bei der Berner Gesundheit arbeitet Patrick Kollöffel als Sexualpädagoge. Mit Jugendlichen, aber auch Lehrpersonen und Eltern spricht er sehr offen über Pornographie. Auch kurzfristig können hier Beratungstermine verabredet werden.

Sexualpädagogik bei der Berner Gesundheit

 

Leena Schmitter

Am historischen Institut der Universität Bern arbeitet die Wissenschaftlerlin, Feministin und Aktivistin. In “Sex Wars” schrieb sie über den Umgang der Schweizer feministischen Bewegung mit Pornographie in den 80er Jahren.

Website von Leena Schmitter